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Jambo und ein frohes neues Jahr,

nachdem mich über die Feiertage der ein oder andere Safari Freund/Freundin angerufen hat, habe ich gemerkt wie viele Menschen meine Reiseberichte lesen und das Schiksal meines alten Land Rover 109 verfolgen. (einige haben ihn ja im Boko Boko stehen sehen).

Hier nun ein weiterer Reisebericht (den zweiten Teil, mit Bildern, findet Ihr auf http://www.safari-wangu.de. (wie alle Safaris, auf den Link Safari klicken und dann "2001")

kwaheri tutaonana
(ich bin im März/April kurz in Kenya)

Jörg

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Kenya 2001, Big Game Fishing und Malaria

2001 war für mich (Jörg 38) und meine Familie (Petra 38 u. Jenny 14) das ereignisreichste Jahr in Bezug auf unser Verhältnis zu Afrika.

Nairobi Kenya. Mitte Januar erreichte ich die Stadt in Begleitung von 2 Bekannten mit dem   Umweg über Kinshasa (Freie Republik Kongo). Mit einem schon von Deutschland aus gemieteten Suzuki Maruti (Suzuki mit indischen Motor) fuhren wir noch am selben Tag zum Lake Naivasha. Unser Ziel: Der Lake Naivasha Country Club, eine urgemütliche Anlage mit großen Zimmern, Blick auf den See und dem Flair der Kolonialzeit.

Am Abend hofften wir vergeblich auf einige Flusspferde, die hier hin und wieder zum Grasen des nachts aus dem See kommen. Aber es trieben sich nur ein paar Bushböcke am Ufer herum, so dass wir ohne etwas zu verpassen rechtzeitig schlafen gehen konnten. Um 5.00 Uhr morgens brachen wir ohne Frühstück zum 80 km entfernten Lake Nakuru National Park auf. Hier hatten wir eine gute Wildbeobachtung. Mehr als 20 Nashörner konnten wir entdecken, Wasserbüffel, Zebras, Wasserböcke, Impalas, Thomson Gazellen, Elen Antilopen, Paviane,  eine Gruppe von Löwenweibchen, die zur Jagd aufbrachen und in der Abenddämmerung noch einen Leoparden. Meine Begleiter, die Ostafrika zum ersten Mal erlebten, waren begeistert. Aus dem offenen Suzukidach heraus beobachteten sie Afrikas Wildlife.
Auch die Tatsache, dass wir irgendwo im Park, neugierig beobachtet von einigen Giraffen, einen platt gefahrenen Reifen wechseln mussten, trübte die Safari nicht, im Gegenteil.

Nach einer weiteren Nacht im Lake Naivasha Country Club und einer Nacht in Nairobi trennte ich mich von meinen beiden Safarigästen und buchte ein Ticket für den Nachtzug nach Mombasa (KSH 2100,-). Schlaf hatte ich in den vergangenen Tagen sehr wenig erhalten, und so verzichtete ich auf die im Preis enthaltenen Mahlzeiten im Zug und schlief lieber bis zum nächsten Morgen. Ausgeschlafen erreichte ich gegen 10.00 Uhr Mombasa. Mit einem aufdringlichen Taxifahrer, der mich schon belagerte ehe ich überhaupt den Zug verlassen hatte, handelte ich einen äußerst günstigen Fahrpreis aus, (1200,-KSH) um an die Südküste zum Boko Boko zu gelangen.

Es war das erste Mal, dass ich im Januar Kenya bereiste. Hatte man in Nairobi noch nicht soviel von der herrschenden heißen Trockenzeit bemerkt (dort ist das Klima immer angenehm), so war hier an der Küste die drückende schwüle Hitze um so deutlicher. Ich war froh, in Nairobi und im Hochland von Nakuru etwas akklimatisiert zu haben und nicht gleich aus dem winterlichen Deutschland im feucht-heißen Mombasa gelandet zu sein.

Im Boko Boko empfingen Yolanda und Joachim mich herzlich und ich begann sofort damit, die mitgebrachten und in Kenya schwer zu erhaltenen Dinge auszupacken. Einige Sparlampen für das Restaurant, PC Zeitungen und ein gebrauchtes Mobiltelefon, sowie kleine Beschilderungen und Bilder für den Kijiji Reptilien Park, für den ich mir noch viel vorgenommen hatte. Danach sprang ich in den Pool, der allerdings kaum eine Abkühlung brachte, zu sehr hatte die afrikanische Sonne das Wasser aufgeheizt.

In den folgenden Tagen kümmerte ich mich um  den Kijiji Reptilien Park, den ich seit 1998 mit meinen Ideen und Know how zusammen mit Yolanda und Joachim (den Eigentümern) aufgebaut und seit dem ständig verbessert hatte. Ich ließ die Beschilderungen anbringen, Terrarien neu einrichten und erklärte den für die Pflege zuständigen Einheimischen (wahrscheinlich zum 200. Mal) einiges über die Haltung von Schlangen. Immer noch war es ein Problem, eine Eierschlange mit einem Ei zu füttern, ohne befürchten zu müssen, dass dieses Ei von einem der Pfleger verspeist wurde. Oder das die knochigen Rindfleischstücke für die Krokodile bei Kasungu (ältester Pfleger) im Kochtopf landeten. Immer noch brachten mir die Jungs, vor Freude strahlend, gefundene abgelegte Eier der Leopardschildkröten, die aber auf keinen Fall bewegt bzw. gedreht werden durften.
Das auch Schlangen regelmäßig Trinkwasser haben möchten oder Chamäleons ihr Trinkwasser von den Pflanzen aufnehmen, wollte auch nicht so recht in den sonst so cleveren afrikanischen Köpfen hängenbleiben. Also freute ich mich über jede noch so kleine Verbesserung, wie z.B. geputzte Fensterscheiben in den Terrarien (Afrika macht bescheiden)

Aber ich war dieses Mal nicht nur zum Arbeiten nach Kenya gereist. Am Mtwapa Creek an der Nordküste Mombasas verbrachte zu dieser Jahreszeit immer ein Freund aus Deutschland seinen Urlaub. Genauso wie ich mich in den National Parks im Landesinneren zu Hause fühle, so war Karsten Big Game Fischer aus Berufung. Seit mehr als 17 Jahren fuhr er mit einem privaten kleinem Fischerboot, welches inzwischen ihm gehört, auf den Indischen Ozean hinaus um Marlin, Dorado, Baracuda u.a. zu jagen. Immer begleitet von seinem Freund Ali, einem einheimischen Fischer, der auch mir schon zu einem guten Freund geworden ist. Ich liebe es, im The Moorings mit Ali auf das Wasser zu blicken und über den Sinn des Lebens zu diskutieren, ständig belehrt durch seine vom Islam geprägten Ansichten. Auf diese Weise lernte ich z.B. den für die Felder dringend benötigten Regen auch in meinem Urlaub zu akzeptieren.

In diesem Jahr nun war es soweit, ich traf mich mit Karsten und Ali zum Big Game Fishing.  Schon die Nacht hatte ich bei Karsten an der Nordküste verbracht, früh morgens erreichten wir beide das Moorings und das dort liegende Boot, die Baba Karl. Ali war schon damit beschäftigt, Köder und Angeln an Bord zu verstauen. Auch hatte er mir frischen Tee von seiner Frau mitgebracht, allerdings ohne Milch und Zucker. "Ist nicht gut für Deinen Bauch, die Milch" grinste er mich mit strahlend weißen Zähnen an. "Wirst Du krank von!" Das ich nicht besonders seefest bin, brauche ich nicht extra zu erwähnen, oder?

Wir verließen nun also mit der Baba Karl den schützenden Mtwapa Creek, hinaus auf den Indischen Ozean, von den großen Big Game Booten war noch keine Spur zu sehen.
Die See lag ruhig vor uns und trotzdem schaukelte (für meine Begriffe) das kleine Boot unaufhörlich. Karsten hatte mir genau erklärt, wie man einen nahenden Marlin erkennt, hatte es aber schon lange aufgegeben, mir auch eine der Angeln anzuvertrauen. Delphine wollte ich sehen, Meeresschildkröten und einen Marlin am Haken, ansonsten wollte ich die Stille genießen  und das Angeln filmen. Mit dem eigentlichen Angeln wollte ich nichts zu tun haben.

Geschickt bereiteten Ali und Karsten die Köder für die großen Auslegerangeln vor. Karsten bewegte sich auf dem kleinen Boot sicher wie an Land, während ich es doch vorzog, mich irgendwo mit einer Hand zu sichern (was beim Filmen nicht immer einfach war). Solange ich die Baba Karl steuern konnte, war auch meine Welt in Ordnung. Als dann aber die Köder im Wasser waren und das Boot nur noch so dahin schlich, wurden die eigentlich gar nicht zu sehenden Wellen für mich unerträglich und ich entschloss mich, an Steuerbord ein paar kleine Fische zu füttern (der Trick mit Tee ohne Milch hatte nicht geklappt). Ali und Karsten grinsten sich an und ich litt still.

Dann endlich Action, ein Yellow Thuna hing am Haken. Ich hatte etwas zu filmen und war abgelenkt von meinem Magen. Später wurden noch einige Dorados gefangen und ein Blue Marlin zumindest gesichtet.

Erst mit Anbruch der Dämmerung erreichten wir den Mtwapa Creek, zusammen mit einigen anderen Big Game Booten liefen wir in den Creek ein. Fröhlich wurde das gefangene begutachtet und von mir hochseeuntauglichem Greenhorn berichtet. Ein traumhafter Sonnenuntergang auf der Terrasse des Moorings entschädigte mich für die selbst auferlegten Qualen.

Nicht, dass ich es brauchte, aber auch am folgenden Tag fuhr ich mit Ali und Karsten hinaus zum Big Game Fishing. (ich bin kein Held, ich bin nur dumm, oder?)

Der Tag brachte den erhofften Marlin, keinen großen, aber einen Marlin. Für mich bedeutete dies einige gute Videoaufnahmen und für Ali (der den Fisch verkaufen konnte) einen guten Gewinn. Es wurden noch einige andere Fische, wie z.B. Dorados gefangen und so war auch Kapitän Karsten zufrieden. Obwohl es für meine Videokamera (Hi 8) dank einer etwas höheren Welle der letzte Einsatz war und mein Magen auch bei dieser Tour nicht richtig glücklich war, war ich doch stolz auf das Erlebte. (Endlich kann ich mir eine Digital Videokamera kaufen ;-) )

Wieder verbrachten Karsten und ich (Ali kümmerte sich um die gefangenen Fische) den Abend am The Moorings, sprachen über Vergangenes und über die Zukunft, die uns (beide haben wir noch viele Pläne) Afrika bringen wird. "Ich habe nahe zu alle Parks in Kenya gesehen, bin fast über einen Löwen gestolpert (1993) war auf dem Mount Kenya, habe im Indischen Ozean Big Game Fisching begleitet, mir fehlt nur noch der Kilimanjaro...!"; "...und eine Malaria!" ergänzte Karsten mich. Wir sinnierten noch eine Weile so vor uns hin, ohne zu wissen, wie schnell ich das Fehlende ergänzen würde.

Zurück am Boko Boko beschäftigte ich mich wieder mit dem Kijiji Reptilien Park und diskutierte wieder einmal mit Joachim über die Möglichkeit, einen eigenen Land Rover in Kenya zu kaufen.
Ein Gedanke, der mir schon lange durch den Kopf ging und oft von E-Mails aus der fernen Heimat jäh unterbunden wurde, wie auch dieses Mal (....kein Auto kaufen, Pick Up in Deutschland ist defekt. Gruß Petra).

Nach viel Erlebtem verließ ich nach mehr als 2 Wochen Kenya mit guten Ratschlägen von Joachim und der Gewissheit, irgendwann kaufe ich mir hier ein eigenes Auto.


Deutschland, Ende Februar. Ich fühlte mich schrecklich, unendlich schlapp und müde, mein Kopf brummte, schon am Mittag ging ich ins Bett. Schüttelfrost zwang mich unter zwei Decken, nach einer Stunde war ich nur noch müde und schlief, zwischendurch erzählte ich Petra wirres Zeug. "Malaria??" Am nächsten Morgen fühlte ich mich zwar schlapp aber weder hatte ich Schüttelfrost noch Kopfschmerzen. Alles war normal. "Keine Malaria"?
Der Sonntag verlief ohne Zwischenfälle und so flog ich (beruflich) am Montag nach Dakar in den Senegal. Schon auf dem Flug bekam ich einen erneuten heftigen Schüttelfrost, vier Tage später lag ich in Bremen im Krankenhaus." Lungenentzündung und Malaria Tropica!"

Die Malaria hatte meinem Körper heftig zugesetzt, viele Organe waren angeschlagen, die Lungenentzündung tat ein übriges. Ich hatte einiges an Gewicht verloren (hatte mir gut getan, ist aber wieder drauf) und hing am Tropf um den Flüssigkeitshaushalt wieder aufzubauen. Behandelt wurde mit Lariam. (3, 2, 1)  Noch drei Tage erlebte ich heftige Fieberschübe (über 41° C!)  mit Schüttelfrost und Schweißausbrüchen. Einige Besuche meiner Familie hatte ich nur schemenhaft mitbekommen, doch dann hatte mein Körper gewonnen. Immer noch schwach auf den Beinen fing ich langsam an mich zu erholen.

Eltern, Freunde und Verwandte, alle waren sich einig, "Das war's mit Afrika!" Jeder hatte neben Genesungswünschen nichts besseres zu tun als mir von weiteren Afrika Reisen abzuraten. In meinem Inneren wuchs ein: "Jetzt erst recht!". Ich fing an, Gedichte über Afrika zu schreiben und fertigte Zeichnungen von einem Land Rover, meinem Land Rover. Ein Freund brachte mir erste Entwürfe für die neue Boko Boko Homepage, www.bokoboko-kenya.de, die ich aufbauen wollte ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Meine erste Frage an den Chefarzt war: "Kann ich im Juli nach Kenya fliegen?" "Warum nicht, nur Lariam würde ich dann als Prophylaxe nehmen!" war die Auskunft. (Ich hatte aufgrund der häufigen Afrikareisen aufgehört eine Prophylaxe einzunehmen.) Der Entschluss stand fest, in diesem Jahr fahren wir im eigenen Auto auf Safari!

Ich schmiedete Pläne für die Zukunft, in meinem Kopf war nur noch Afrika. Mit der Genesung kam auch die Realität in mein Leben zurück. Aber ich wusste, ich war nun noch mehr mit diesem Kontinent und vor allem Kenya verwurzelt. Afrika hatte mir zum zweiten mal den Tod vor Augen geführt. Der März ist für mich der Monat, in dem mein Leben immer wieder von Neuem beginnt. Im März 1963 wurde ich in Bremen geboren, im März 1993 stieß ich in der Masai Mara bei einem waghalsigen Fotomanöver zu Fuß auf einen 20 Meter vor mir liegenden Löwen, im März 2001 überlebte ich in Bremen meine Malaria Tropica.

zweiter Teil auf http://www.safari-wangu.de

Kenya Safaris 2001, oder das Abenteuer einen eigenen Land Rover haben zu wollen

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