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 Kenia und Solarenergie 20.02.2003 (19:19 Uhr) CrazyTwins

    Meru (dpa) - Für Margaret Kiumbe geht der Arbeitstag nicht mehr
mit Einbruch der Dunkelheit zu Ende. Noch vor zwei Wochen kam die
Bäuerin in der frühen Dämmerung von den Teefeldern rund um die
kenianische Stadt Meru nach Hause, um noch bei Tageslicht für die
Familie kochen und waschen zu können. Inzwischen pflückt sie zwei
Stunden länger Teeblätter von den satten grünen Stauden. Die
38-jährige zierliche Frau braucht sich um Licht bei der Arbeit nicht
mehr zu sorgen: Ein Solarpanel auf dem Dach ihres einfachen Hauses
mitten im Nirgendwo hat das Leben der ganzen Familie verändert.

    Ein vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) unterstütztes Projekt hilft
Teefarmern in der abgelegenen Region Meru in Zentralkenia, Licht ins
Dunkel ihrer Häuser zu bringen: Mit Hilfe von Krediten können die
Bauern Solarsysteme kaufen, an die durchschnittlich sechs Lampen, ein
Radio und sogar ein Fernsehgerät angeschlossen werden können. Je nach
Nutzung reicht die Sonnenenergie drei bis vier Stunden. Im
sonnenreichen Kenia kann sich das System tagsüber leicht wieder
aufladen.

    Nur rund sechs Prozent der 32 Millionen Kenianer haben Zugang zu
Elektrizität. Auf dem Land, wo 80 Prozent der Bevölkerung lebt, sind
nur knapp fünf Prozent aller Haushalte ans Stromnetz angeschlossen.
In abgelegenen Gebieten, in die das staatliche Stromnetz nicht
reicht, sind alternative Energien daher eine Chance für die Kenianer,
abends nicht mehr im trüben Schein von Kerosinlampen sitzen zu
müssen. 150 000 Haushalte auf dem Land mit Solaranlagen brauchen das
Stromnetz nicht mehr.

    Bei der Teefarmer-Vereinigung in Meru genießen inzwischen 60
Familien die Vorteile der Sonnenenergie: Da Frauen wie Margaret
Kiumbe die Hausarbeit nun auch spät am Abend erledigen können,
verlängert sich der Arbeitstag auf dem Feld. Der Ertrag der Farm und
damit das Einkommen der Bauern können steigen. Die neun Schulkinder
der Familie haben mehr Zeit für ihre Hausaufgaben. Margarets Mann
Jacob fühlt sich sicherer, seit er nachts eine Lampe draußen am Haus
brennen lassen kann. Die monatlichen Ausgaben für Kerosin von
umgerechnet etwa elf Euro fallen weg. Nicht zuletzt können sich die
Menschen durch Radio und Fernsehen über aktuelle Ereignisse
informieren.

    Auch die Wirkung auf die Wirtschaft der Region ist nicht zu
übersehen: In der nahegelegenen Stadt Meru haben seit Beginn der
UN-Initiative Filialen der führenden Solaranlagen-Vertreiber des
Landes eröffnet. Der kenianische Solarmarkt, nach Südafrika der
zweitgrößte Afrikas, funktioniert fast völlig ohne staatliche
Subventionen, was nach Expertenmeinung weltweit einzigartig ist.

    Ein 1973 von der Regierung initiiertes Elektrifizierungsprogramm
für ländliche Gebiete hat bis heute gerade 77 000 Haushalte ans
Stromnetz angeschlossen. Ginge die Elektrifizierung im selben Tempo
weiter, würde es nach Berechnungen von Experten weitere 400 Jahre
dauern, bis alle Haushalte auf dem Land mit Strom versorgt wären. Die
neue Regierung unter Präsident Mwai Kibaki will frischen Wind in die
Energieversorgung bringen und bis Juli neue Richtlinien zur Nutzung
erneuerbarer Energien vorlegen. Denn nicht nur in Meru warten noch
viele Kenianer darauf, ihre Kerosinlampen zu löschen.
dpa
200131 Feb 03



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