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 Warum nur :(( 30.04.2002 (10:24 Uhr) miggi30
Warum nur :(( ????????

Kann man diesen Leuten nicht klar machen, daß sie durch den Schutz der Tiere, genau so ihren Lebensunterhalt bestreiten können. In anderen Ländern klappt es ja auch Wilderer zu Parkwächtern zu machen. Sicher auch das kostet Geld. Aber was passiert mit den ganzen Geldern die nach Kenia fließen? Versickert alles im kenianischen Korruptionsumpf? Ich kann es einfach nicht begreifen. Wenn alle Tiere verschwunden sind, dann ist es zu späht!! Dann bleiben die Touristen und somit auch die Devisen weg.

Michael
 Re: Warum nur :(( 30.04.2002 (10:59 Uhr) Iris
«Wilderer lassen sich nicht
                 einfach verhaften»

                 Joe M. Kioko, Stellvertretender Direktor des Kenya Wildlife Service
                 (KWS), über Fortschritte und Rückschläge im Kampf gegen Wilderer

                 VON PAUL IMHOF

                 SonntagsZeitung: Knapp acht Prozent von Kenyas Landfläche sind geschützt. Der
                 Schutz scheint heute besser zu funktionieren als früher. Was ist geschehen?

                 Joe M. Kioko: Mitte und Ende der Achtzigerjahre hatte die alte Behörde Wildlife
                 Conservation and Management grosse Probleme. Das war der Grund, warum Kenya
                 Wildlife Service (KWS) gegründet wurde, eine Behörde, die nicht mehr einem
                 Ministerium angegliedert ist, sondern eigenständig funktioniert. Eine autonome
                 Organisation kann auch besser mit den ausländischen Geldgebern zusammenarbeiten.

                 Was waren die Probleme?

                 Kioko: Wilderei innerhalb und ausserhalb der geschützten Gebiete. Elefanten und
                 Nashörner wurden fast ausgerottet. In den frühen Siebzigerjahren gab es in Kenya noch
                 gut 20 000 Nashörner und 200 000 Elefanten. Ende der Achtzigerjahre hatten wir noch
                 etwa 16 000 Elefanten, und die Nashornpopulation ist bis heute auf etwa 400 Tiere
                 geschrumpft. Es war klar, dass beide Arten ohne massive finanzielle Hilfe aus dem
                 Ausland komplett verschwinden würden.


                 Was haben Sie dagegen unternommen?

                 Kioko: Zuerst sandten wir einen Alarm an die internationale Gemeinschaft, den
                 Elfenbeinhandel im Artenschutzabkommen Cites weltweit total zu unterbinden. Damals
                 arbeitete ich im Tsavo-Park, dem grössten Nationalpark Kenyas, und wir verloren jeden
                 Tag mindestens zehn Elefanten durch Wilderei. Die Nachfrage für Elfenbein sollte
                 sinken, und tatsächlich wurde der Elfenbeinhandel komplett verboten. In den letzten
                 zehn Jahren stellten wir einen zunehmenden, massiven Rückgang der Elefantenwilderei
                 im ganzen Land fest. Aber wir brauchten grosse Unterstützung, Geld für
                 Funkausrüstungen, Autos, Flugzeuge, Trainingsprogramme für unsere Wildhüter und
                 auch Waffen.

                 Sind Ihnen die Wilderer überlegen?

                 Kioko: Nun, die Wilderer waren sehr, sehr gut ausgebildete Leute mit militärischem
                 Hintergrund aus einem Nachbarstaat. Sie hatten hoch entwickelte, moderne
                 automatische Waffen.

                 Sie selbst waren auch nicht unbewaffnet.

                 Kioko: Sicher, wir haben sie bekämpft. Sie haben auf uns geschossen, wir haben auf
                 sie geschossen. Das sind nicht Wilderer, die sich einfach verhaften lassen. Das ist ein
                 Guerillakrieg. Wenn sie dich sehen, schiessen sie. Wir schiessen zurück. So läuft es
                 immer noch. Wir haben die Wilderei jetzt mehr oder weniger unter Kontrolle, aber es
                 gibt auch Anzeichen neuer Wilderei. Wir sind nicht sicher weshalb, aber es bedeutet,
                 dass es irgendwo einen Markt geben muss.

                 Welche Anzeichen?

                 Kioko: Seit Jahresbeginn haben wir sicher 40 Elefanten verloren. Südafrika ist der
                 Verkauf von Elfenbein an Japan bewilligt worden. Wir wissen nicht, ob das einen Effekt
                 auf die Wilderei bei uns hat, sicher ist bloss, dass sie wieder zugenommen hat.

                 Nur bei den Elefanten oder auch bei den Nashörnern?

                 Kioko: Alle unsere Nashörner leben in Schutzgebieten. Sie werden rund um die Uhr
                 bewacht. Zumindest haben wir bis jetzt kein einziges Nashorn verloren. Aber wir haben
                 natürlich keine Garantie.

                 Es heisst, dass Wildhüter in die Wilderei verwickelt sein sollen.

                 Kioko: In den Achtzigerjahren waren einige unserer Leute in Wilderei verwickelt, aber
                 seit es den Kenya Wildlife Service gibt, ist das nicht mehr vorgekommen. Die Wilderer
                 sind gut organisierte Gruppen, sie rücken mit 10 bis 15 Mann an, sie haben Träger, sie
                 sind hervorragend ausgerüstet. Wir haben heute sehr gute, disziplinierte Ranger, die
                 gut ausgebildet sind und auch gut bezahlt werden. Es gibt keinen Grund mehr, warum
                 sie mit Wilderern zusammenarbeiten sollten.

                 Kenya Wildlife Service hat eine militärische Struktur. War das vorher auch so?

                 Kioko: Ja, aber nicht so diszipliniert wie heute. Die Moral war schlecht, weil die
                 Ausrüstung mangelhaft war. Der Lohn war nicht gut. Heute gehören die Wildhüter zu
                 den bestbezahlten Angestellten in Kenya.

                 Wie viel verdient ein Ranger?

                 Kioko: Im Monat durchschnittlich rund 10 000 Kenya-Schilling (rund 200 Franken). Das
                 ist nach Ihren Massstäben nicht sehr viel, aber für Kenya schon.

                 Neben der Wilderei von Elfenbein und Rhino-Horn gibt es noch Fleischwilderei.

                 Kioko: Entlang den geschützten Gebieten, ja. Einerseits sind es Dorfbewohner, die
                 Gnus, Wasserböcke und andere Herbivoren für den Eigengebrauch töten. Andererseits
                 gibt es Leute, die aus kommerziellen Gründen töten und das Fleisch an
                 Grossmetzgereien verkaufen. Das macht uns schon mehr Sorgen.

                 Ist die Jagd in Kenya total verboten?

                 Kioko: Die Sportjagd wurde in den Siebzigerjahren verboten. Daran hat sich nichts
                 geändert. In den vergangenen zehn Jahren haben wir auf einer sehr experimentellen
                 Basis - vor allem auf grossen Rinderranches, wo es viele Wildtiere gibt - erlaubt, einen
                 Teil der Wildtiere zu nutzen. Aber keine bedrohten Arten. Sondern Zebras, Büffel,
                 Strausse oder gewisse Antilopen. Die jagdbaren Tiere müssen gezählt werden, dann
                 geben wir eine bestimmte Quote frei.

                 In Tansania ist Sportjagd erlaubt. Gibt es Bestrebungen, sie in Kenya zu erlauben?

                 Kioko: Es gab sicher einen gewissen Druck, die Sportjagd wieder zu erlauben. Aber im
                 Moment lehnen wir das klar ab. Seit den Siebzigerjahren, als die Sportjagd noch
                 erlaubt war, weiss ich, wie schnell so was ausser Kontrolle gerät. Das war der Beginn
                 von Korruption und Wilderei, und aus diesen Gründen haben wir die Sportjagd auch
                 verboten.

                 Ihr grösstes und schwierigstes Problem scheint das Bevölkerungswachstum und der
                 Druck auf die Schutzgebiete zu sein.

                 Kioko: Sicher. Unsere Bevölkerung wächst sehr schnell. Die Leute drängen in unsere
                 Gebiete. Wir versuchen, dass alle vom Wild profitieren können. Auf viele Arten. Es gibt
                 Gebiete wie ausserhalb Masai-Mara, wo wir der lokalen Bevölkerung geholfen haben,
                 ihre eigenen Wildschutzgebiete zu bestimmen. Sie erhalten Besucher, die Gebühren
                 für Eintritt, Camping, Lodges bezahlen. Das funktioniert.

                 Die Leute sollen nicht von der Landwirtschaft, sondern vom Tourismus leben?

                 Kioko: Das bedeutet, dass man sein Geld nicht mit Feldern und Nutztieren verdient,
                 sondern mit Wildlife. Wir haben auch im Gebiet des Amboseli-Parks den Leuten
                 geholfen, ihren eigenen Wildpark zu organisieren. Wir haben ihnen zu Wasser verholfen
                 und ein Verteilnetz für Medikamente aufgebaut. Wir zahlen ihnen Schulgelder. Wenn
                 Sie heute im Ambolesi-Park campieren, schlagen Sie Ihr Zelt auf dem Land der
                 Einheimischen auf. Sie verdienen daran ihr Geld, nicht wir vom KWS. Nun helfen sie
                 uns, dass keine Elefanten mehr gewildert werden.

                 Und wenn es nicht funktioniert? Wenn Elefanten Felder zertrampeln?

                 Kioko: Dann stellen wir elektrische Zäune auf, um die Wildtiere fernzuhalten. Aber auch
                 da ändert sich die Einstellung, auch wenn wir noch einen langen Weg gehen müssen.
                 Das grösste Problem ist aber schon die demografische Entwicklung. Die Bevölkerung
                 wächst derart rasant, da stehen uns noch heftige Konflikte bevor.

                 Auch die Nomaden fühlen sich in ihrem Freiraum immer stärker eingeschränkt.

                 Kioko: Die Nomaden haben mit den Wildtieren schon immer koexistiert. Auf dem
                 Höhepunkt der Trockenzeit erlauben wir ihnen, in gewissen Gebieten unserer Parks ihre
                 Herden zu tränken. Sie bringen ihre Herden, lassen sie trinken, und dann führen sie sie
                 wieder aus den Parks. Kultivierung und das Erstellen von permanenten oder temporären
                 Behausungen erlauben wir hingegen nicht.

                 Bei diesem Bevölkerungswachstum sind die Parks bald nur noch Inseln, die unter
                 ständigem Nutzungsdruck stehen.

                 Kioko: Diese Möglichkeit besteht ganz sicher. Wir haben auch eine Einheit, die
                 Problem Animal Control heisst. Diese Ranger kümmern sich um die Klagen der lokalen
                 Bevölkerung, wenn Wildtiere ihre Felder oder Dörfer beschädigt haben. Die Ranger
                 schauen dann, wie man die Wildtiere von den Siedlungen fernhalten kann. Schauen Sie
                 Lake Nakuru: Dieser Park ist von grossen Farmen und Siedlungen eingeschlossen, er
                 kann nicht mehr weiterwachsen. Wenn die Tiere den Park verlassen, gibt es Ärger.
                 Deshalb ist er eingezäunt. Der nächste könnte der Nairobi National Park sein.

                 Was halten die Leute von Safari-Touristen?

                 Kioko: Solange die Leute von den Parks nicht profitieren konnten, hiess es immer: Uns
                 wird ständig gesagt, wir dürfen diese geschützten Gebiete nicht benützen, aber diese
                 fremden Leute dürfen hineingehen, und wir bekommen gar nichts. Wir entgegnen:
                 Schaut, diese Fremden haben diese Tiere nicht bei sich zu Hause. Sie kommen, um
                 sie zu sehen, zu fotografieren. Sie zahlen Geld dafür. Und jetzt teilen wir das Geld. Es
                 ist nicht mehr so wie früher. Wenn die Leute einen Weissen sehen, wissen sie, am
                 Abend hat er für seine Anwesenheit bezahlt.

                 Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?

                 Kioko: Positiv. Viele junge Leute wissen, worum es beim Naturschutz geht. Das ist
                 komplett anders als noch vor zwanzig Jahren. Die Schulen besuchen in Gruppen die
                 Parks und lernen die Wildtiere kennen. Das gab es früher nie. Auf diese Jungen zähle
                 ich. Das ist unsere Zukunft.


hallo michael

leider kann ich dir auch keine schlüssige antwort darauf geben. nach meinem empfinden kann nur
ein definitives umdenken der weltbevölkerung etwas in bewegung setzen. aber solange es immer noch
europäer und amerikaner gibt die sich elfenbein ins wohnzimmer stellen wollen und japaner und chinesen
an die potenzsteigernde wirkung des nashorn-horn's glauben. wird es immer wieder afrikaner geben die
für (klein)geld bereit sind die wunderschönen tiere zu töten auch wenn sie wissen das sie damit ihre
längerfristige zukunft aufs spiel setzen.
gruss
iris





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